Es beginnt mit einem Befehl. Eine einzige Codezeile, die in die dunklen Ecken des Internets gesendet wird. Plötzlich beginnen Tausende von Maschinen – kompromittiert, ahnungslos und praktisch zombieartig – auf ein einzelnes Ziel einzuhämmern. Das Ziel ist rohe Gewalt. Die Methode ist überwältigend groß. Hierbei handelt es sich um einen Distributed Denial of Service -Angriff, kurz DDoS.
Legitime Benutzer sehen, dass das Crawlen einer Website zum Stillstand kommt. Dann verschwindet es. Der Server ist einfach zu beschäftigt mit der Verarbeitung gefälschter Anfragen, um echte Anfragen zu beantworten. Es ist kein Hack im herkömmlichen Sinne; Es werden keine Daten gestohlen, keine Passwörter geknackt. Es handelt sich um einen digitalen Stau, der einen Unfall verursachen soll.
Die Illusion der Unschuld
Die grundlegende Mechanik ist grob. Ein Cracker kontrolliert ein Botnetz, ein Netzwerk infizierter Computer, und befiehlt ihnen, wiederholt einen bestimmten Server anzupingen. Die Verkehrsspitze ist die Waffe. Aber clevere Angreifer haben sich weiterentwickelt. Sie senden den Angriff nicht mehr nur selbst. Sie nutzen unschuldige Systeme als Schutzschilde und Spiegel.
Diese Technik basiert auf etwas, das Reflexion genannt wird. Der Angreifer sendet eine Anfrage an einen Drittanbieter-Server, den sogenannten Reflector. Entscheidend ist, dass sie die Quell-IP-Adresse in dieser Anfrage fälschen, um den Eindruck zu erwecken, dass sie vom tatsächlichen Opfer stammt. Der Reflektor empfängt die Anfrage, geht davon aus, dass es sich um eine legitime Anfrage handelt, und sendet eine Antwort an die gefälschte Adresse zurück – das Opfer.
Jetzt wird das Opfer nicht nur vom Botnetz, sondern auch von Dutzenden oder Hunderten von Reflektoren überschwemmt. Für das Opfer sieht es so aus, als würden die Reflektoren es angreifen. Für die Reflektoren sieht es so aus, als hätte das Opfer den Antrag gestellt. Die Zombie-Computer bleiben hinter diesem Vorhang aus Fehlinformationen verborgen. Der Cracker bleibt völlig unsichtbar.
Berühmte Ziele und gefährliche Namen
Das ist nicht theoretisch. Die großen Spieler haben den Schlag gespürt. Microsoft wurde Opfer eines DDoS-Angriffs im Zusammenhang mit dem MyDoom-Wurm. Amazon, CNN, Yahoo und eBay wurden alle ins Visier genommen. Die Namen der Angriffe reichen von technisch bis düster-humorvoll.
- Ping of Death : Bots erzeugen übergroße Datenpakete. Wenn das Opfer versucht, sie zu verarbeiten, gerät das System in Schwierigkeiten oder versagt.
- Mailbomb : Eine Flut von E-Mails, die an abstürzende Mailserver gesendet werden.
- Smurf-Angriff : Eine spezielle Art von Reflection-Angriff unter Verwendung von ICMP-Nachrichten (Internet Control Message Protocol). Bots senden diese Nachrichten an Reflektoren, die dann Antworten an das Opfer senden.
- Teardrop : Bots senden fragmentierte Pakete. Das Opfer versucht, sie wieder zusammenzusetzen, aber die Fragmente sind deformiert, was zu einem Absturz führt.
Das Dilemma des Administrators
Sobald der Sturm zuschlägt, bleiben dem Systemadministrator oft nur wenige gute Optionen. Sie könnten den eingehenden Verkehr drosseln. Dadurch werden jedoch neben den Angreifern auch legitime Benutzer abgeschnitten. Es ist eine defensive Maßnahme, die dem Geschäft schadet.
Filtern ist ein anderer Weg. Wenn Sie wissen, woher der Angriff kommt, können Sie diese IPs blockieren. Das Problem? Gefälschte Adressen machen dies nahezu unmöglich. Die Zombies verwenden nicht ihre wahre Identität. Sie lügen. Der Verkehr scheint von überall und nirgendwo gleichzeitig zu kommen.
Skript-Kiddies und echte Konsequenzen
Nicht alle Angreifer sind hochentwickelte Nationalstaaten. Manche sind Teenager mit zu viel Zeit und zu wenig Aufsicht. Am 4. Mai 2001 stürzte ein 13-Jähriger GRC.com, die Website der Gibson Research Corporation, ab. Die Ironie war spürbar: Eine Website, die sich der Internetsicherheit widmete, wurde von jemandem gelöscht, der die Mechanismen, die sie verwendeten, wahrscheinlich nicht vollständig verstand.
Dann ist da noch der Fall in Hanoi, Vietnam, im Jahr 2006. Die Polizei verhaftete einen High-School-Schüler im zweiten Jahr, weil er einen DDoS-Angriff gegen die Nhan Hoa Software Company inszeniert hatte. Sein Motiv? Ihm gefiel die Website nicht. Keine große politische Aussage. Kein finanzieller Gewinn. Einfach trotzig.
Diese Geschichten zeigen eine chaotische Realität. Die Tools zum Herunterfahren von Servern sind verfügbar. Die Beweggründe variieren von ideologisch bis trivial. Und die Opfer? Sie müssen die Trümmer aufräumen und fragen sich, wie sie eine Flut stoppen können, die aus allen Richtungen gleichzeitig zu kommen scheint.
Was passiert, wenn das Wasser höher steigt? Und wer kommt für den Schaden auf?


















